ACHTSAMKEIT UND SELBSTMITGEFÜHL

WAS IST ACHTSAMKEIT?

Achtsamkeit bezeichnet eine psychologisch definierte Form der Aufmerksamkeit, bei der Menschen lernen, das gegenwärtige Erleben – Gedanken, Gefühle, Körperempfindungen und äußere Reize – absichtsvoll, bewusst und nicht-wertend wahrzunehmen. Diese Fähigkeit kann gezielt systematisch trainiert werden, um die Regulation von Emotionen, Stressreaktionen und kognitiven Prozessen zu verbessern.

In der Psychotherapie ist Achtsamkeit nicht nur Entspannung, sondern ein therapeutisches Mittel zur Förderung der Selbstbeobachtung und Regulation, das in standardisierte Verfahren integriert wurde.

Achtsamkeitsbasierte Interventionen zählen heute zu den evidenzbasierten psychotherapeutischen Behandlungsformen – insbesondere in der Verhaltenstherapie und der so genannten „Dritten Welle“ kognitiver Verhaltenstherapie.

Zentrale Therapiekonzepte sind z.B.: Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT) zur wirksamen Rückfallprophylaxe bei Depressionen, Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) zur Behandlung von Emotion-Regulationsstörungen und Persönlichkeitsstörungen sowie Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) zur Förderung von Akzeptanz und flexibler Emotionsverarbeitung.

WAS IST SELBSTMITGEFÜHL?

Selbstmitgefühl bezeichnet eine liebevolle und freundliche Art des Umgangs mit sich selbst, insbesondere in schwierigen, stressbelasteten Situationen. Dabei hat Selbstmitgefühl nichts mit Selbstmitleid zu tun, sondern unterscheidet sich ganz wesentlich davon.

Das Konzept des Selbstmitgefühls wird aktuell wissenschaftlich intensiv erforscht. Man hat z.B. herausgefunden, dass es dabei hilft, das körpereigene "Beruhigungs-" und "Fürsorgesystem" zu aktivieren und damit Stress deutlich zu reduzieren.

Selbstmitgefühl umfasst folgende Apsekte:

  • Freundlichkeit sich selbst gegenüber (sich nicht selbst verurteilen) statt selbstkritisch mit sich umzugehen
  • Verbundenheit: Selbstmitgefühl beruht auf der Erkenntnis, dass Leiden etwas ist, das alle Menschen erfahren und was uns dadurch verbindet. Häufig fühlen wir uns in schwierigen Momenten sehr isoliert von anderen und ziehen uns zurück.
  • Achtsamkeit meint, Gedanken und Gefühle nicht zu bewerten oder zu unterdrücken, sondern anzunehmen, ohne sich übermäßig mit diesen zu identifizieren.

ABLAUF

Die Gruppe eignet sich als heilkundliches psychotherapeutisches Angebot bei:

  • Depressiven Symptomen
  • Generalisierten Angst- und Stress-bezogenen Störungen
  • Belastungs- und Anpassungsstörungen
  • Rückfallprophylaxe bei affektiven Erkrankungen
  • Psychosomatischen Beschwerden mit emotionalen Komponenten
  • Uvm.

  • Struktur: Gruppengröße max. 9 Teilnehmer, acht Termine (á 100 Minuten) in wöchentlichem Abstand.
  • Termine: Donnerstag (17.00-18.40 Uhr): 20.11.2025, 27.11., 11.12., 18.12., 22.1.2026, 29.1., 5.2., 12.2.2026
  • Leitung: Prof. Dr. Martin Fegg
  • Kosten: Gemäß GOP Nr. 812 (67,03 EUR / 50 Min.). Eine teilweise bzw. vollständige Erstattung durch die Versicherung ist möglich.
  • Anmeldung: Unsere Praxis erreichen Sie werktags von 10 bis 16 Uhr (Freitags bis 12 Uhr) unter der Tel. 089 - 5390 6385-0 oder per E-Mail info@psychologie-muenchen.de

 

Anmeldung

THERAPEUTISCHE WIRKMECHANISMEN

Studien und theoretische Modelle schlagen mehrere Mechanismen vor, durch die Achtsamkeit bei psychischen Störungen wirkt:

  • Verbesserung der Emotionsregulation: Patient:innen lernen, aufkommende negative Gefühle wahrzunehmen, ohne sofort automatisch darauf zu reagieren, was die Verarbeitung belastender Emotionen unterstützt.
  • Reduzierung kognitiver Rumination: Achtsame Aufmerksamkeit kann dazu beitragen, wiederkehrende Grübelprozesse zu unterbrechen, die bei Depressionen oder Angststörungen eine zentrale Rolle spielen.
  • Erhöhung der fokussierten Aufmerksamkeit und kognitiven Kontrolle: Studien zeigen, dass achtsamkeitsbasierte Interventionen die Fähigkeit verbessern, Aufmerksamkeit zu steuern und nicht-adaptive automatische Gedankenmuster zu modulieren.
  • Förderung einer nicht-wertenden Haltung: Dies unterstützt Patient:innen dabei, belastende Körper- und Gefühlswahrnehmungen anzunehmen statt zu vermeiden, ein wichtiger Schritt in vielen psychotherapeutischen Prozessen.

EVIDENZLAGE ZUR BEHANDLUNG PSYCHISCHER STÖRUNGEN

Die Wirksamkeit achtsamkeitsbasierter Interventionen ist in zahlreichen Studien empirisch belegt, einschließlich randomisiert-kontrollierter Studien (RCTs) und Meta-Analysen:

  • Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen: Mindfulness-basierte Gruppentherapie zeigte in mehreren RCTs vergleichbare Effekte wie konventionelle kognitive Verhaltenstherapie in der Reduktion depressiver und ängstlicher Symptome.
  • Depressionsrückfallprophylaxe: MBCT weist bei Menschen mit wiederkehrenden depressiven Episoden signifikante Verbesserungen und verringerte Rückfallraten auf.
  • Weitere Störungen: Meditations- und Achtsamkeits-Interventionen zeigen klinisch relevante Effekte auch bei Suchtverhalten, Schmerzstörungen, Stress-assoziierten Symptomen und ersten Studien bei psychotischen Störungen.

THERAPEUTISCHER ABLAUF DER ACHTSAMKEITSGRUPPE

In der psychotherapeutisch konzipierten Achtsamkeitsgruppe werden die Inhalte systematisch, strukturiert und leitlinienorientiert vermittelt, z.B.:

  • Psychoedukation zu Stress-, Emotions- und Aufmerksamkeitsprozessen
  • Geführte Achtsamkeits- und Atemübungen als therapeutische Technik
  • Reflexion und Transfer in den Alltag
  • Therapeutisch moderierter Gruppenaustausch zur Förderung von Lern- und Veränderungsprozessen

Diese Module orientieren sich an internationalen Standards achtsamkeitsbasierter Therapieprogramme und sind professionell angeleitet durch psychotherapeutisch qualifizierte Fachpersonen.

Achtsamkeit in diesem Gruppenformat ist eine psychotherapeutisch strukturierte, empirisch belegte Interventionsform, die in der klinischen Versorgung von Menschen mit psychischen Belastungen eingesetzt wird. Sie ist in Leitlinien und in der psychotherapeutischen Praxis als therapeutische Behandlungsoption anerkannt und orientiert sich an standardisierten, manualisierten Protokollen mit nachgewiesener Wirksamkeit.

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